Die âNovellenschatzâ-Reihe Paul Heyses prägt bis heute das deutsche Novellenverständnis: Begonnen mit dem populären âDeutschen Novellenschatzâ wurde ein Sammlungsvorhaben begründet, das eine dezidiert realistische Literaturgeschichte präsentiert. Zusammen mit seinen Fortsetzungen, dem âNovellenschatz des Auslandesâ und dem âNeuen Deutschen Novellenschatzâ ergibt sich ein Korpus aus insgesamt 213 Novellen, das sowohl den (heutigen) Kanon romantischer und realistischer Novellistik als auch das zeitgenössisch Erfolgreiche und Vielgelesene abbildet. In dem Spannungsfeld von realistischem Epochenbewusstsein und programmatischer Bestenauswahl im Angesicht von Massenliteratur erforscht die Studie die âNovellenschatzâ-Sammlungen als âArbeit am Kanonâ â als nicht-narrative Form der Literaturgeschichtsschreibung. Im Mixed-Methods-Verfahren werden hierzu Operationalisierungen verschiedener Skalierungsebenen angewendet, um die Sammlungen und die ihr inhärenten Strukturen zu erfassen: Von hermeneutischen Lektüren über ein Leseexperiment zur heutigen Rezeption realistischer Novellistik hin zu Anwendungen der digitalen Literaturwissenschaft.