Eigenhändige, signierte Postkarte des Finanzwissenschaftlers Karl Bräuer (1881-1964), später Mitbegründer des Bundes der Steuerzahler und 1950 bis 1961 dessen zweiter Präsident. --- Datiert Breslau, den 14. August 1932. --- Karl Bräuer war von 1920 bis 1932 Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Universität Breslau. --- In der vorliegenden Karte schreibt er über seinen Wechsel an die Universität Würzburg. --- Gerichtet an einen Kollegen, den Nationalökonomen, Wirtschaftshistoriker und Sozialreformer Prof. Wilhelm Stieda (1852-1933) in Leipzig. --- Transkription: "Lieber verehrtester Freund, ich habe auf telegrafische Anfrage in München den Bescheid erhalten (vorläufig nur Telegramm), daß das Finanzministerium meinen Forderungen vollinhaltlich zustimmt. Damit ist der schwerste Stein aus dem Wege geräumt, die Bahn für W. [[=Würzburg]] ist nunmehr frei. Kommende Woche voraussichtlich verhandle ich mit Berlin, dann nochmals mit München, und in 14 Tagen 3 Wochen wird man endgültig klar sehen. Es ist gewiß keine leichte Angelegenheit, aber ich hoffe, es wird alles gut werden. Der Abschied von meiner hiesigen Tätigkeit und von meinem Institut wird mir nicht leicht werden, aber auch in W. winken große Aufgaben. Ich wollte Dir verehrter lieber Freund unverzüglich ein paar Worte schreiben, weiß ich doch, daß es kaum einen zweiten Menschen gibt, der mit solchem hingebenden Interesse gerade diese Verhandlungen verfolgt. Herzlichen Dank noch für den letzten liebenswürdigen Brief, ich hoffe, Dir recht bald einmal auf der Durchreise die gütige Hand drücken zu dürfen. Herzlichst in alter Treue Dein K. Bräuer." --- Autographe von Karl Bräuer sind sehr selten! --- Format: 10,5 x 14,7 cm. --- Zustand: Karte gebräunt und fleckig; mit kleinen Eck- und Randschäden. --- Über Karl Bräuer (Quelle: wikipedia): Karl Bräuer (* 16. Juli 1881 in Frankenthal (Pfalz); 12. Mai 1964 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Finanzwissenschaftler. Er war Mitbegründer des Bundes der Steuerzahler und 1950 bis 1961 dessen zweiter Präsident. --- Leben und Wirken: Karl Bräuer studierte nach Besuch des Realgymnasiums und praktischer Tätigkeit ab 1902 Geschichte, Philosophie, Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Leipzig. An der Leipziger Handelshochschule bestand er im Jahre 1906 das Examen zum Dipl.-Kaufmann. 1907 beendete er seine Studien an der Universität Tübingen mit der Promotion zum Dr. sc. pol. Die Arbeit trägt den Titel Die Belastung der Adjacenten mit Trottoirbeiträgen nach pfälzischem Recht und nach dem System einzelner Partikularrechte. --- Danach arbeitete Bräuer als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Historischen Kommission in Frankfurt am Main, später auch beim Statistischen Amt. Seit 1912 wirkte Bräuer am volkswirtschaftlichen Seminar der Universität Leipzig, ab 1913 zugleich als Dozent an der Staatswissenschaftlichen Akademie. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 als Frontsoldat (Eisernes Kreuz 2. und 1. Klasse, Albrechtskreuz) habilitierte sich Karl Bräuer 1919 an der Technischen Hochschule Dresden. Dort erhielt er 1920 eine außerplanmäßige Professur. 1922 bis 1932 war Bräuer ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Universität Breslau. 1932 wechselte er an die Universität Würzburg. --- Von 1935 bis 1945 lehrte Bräuer als Nachfolger Bruno Molls, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1934 entlassen worden war an der Universität Leipzig. Er war dort ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Philologisch-Historischen Abteilung der Philosophischen Fakultät. Nachdem seine Wahl zum neuen Vorsitzenden des Vereins für Socialpolitik gescheitert war, wurde Bräuer 1936 Präsident der Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft.