Frontispiz; 300 Seiten; Illustr.; 20 cm; fadengeh., goldgepr. Orig.-Leinenband. Gutes Exemplar; Einband stw. geringfügig berieben. - Aus der Bibliothek von Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff (1954-2023), mit hs. Anmerkungen von S.L. (Bleistift) im Vorsatz. - INHALT : WINTER IN WIEN (CONFUSIONEN) ------- GRABREDE VON WERNER BERGENGRUEN ------- ANMERKUNGEN. // Reinhold Karl Werner Schneider (* 13. Mai 1903 in Baden-Baden; 6. April 1958 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Schriftsteller, dessen Werke zum christlich-konservativen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beitrugen. . (wiki) // " . Es gehört zum Mißgeschick des Wanderlebens, daß man in Städten aufwacht, auf die man sich nicht besinnen kann, und in Zimmern, in denen man sich nicht auskennt. Der Lichtschalter ist nicht zu finden, der zum Willkommen mit einer Blumenvase freundlich geschmückte Tisch steht im Wege. Kurzum: ich bin samt der sich ergießenden Vase gestürzt und habe mich gestoßen, doch ist es für uns beide noch leidlich abgelaufen, nur die Nelkenschönheit ist geknickt. Da ich unentschlossen vor den Treppen stehe, die zum Portal der Dominikanerkirche aufsteigen, fällt mein Blick auf eine von einem Vordach geschützte Kirchentür, die es mir leichter macht: Einladend ist der Anblick nicht; es ist eine schmalbrüstige nüchterne, in einen Trakt eingesprengte Front aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Aber das ist nur die Schutzfarbe eines Geheimnisses. Innen schweben Kristallüster im Dunkel; zwei Engel, deren jeder drei Kerzen trägt, stehen vor der geöffneten Pforte der Ikonostasis; der Priester im roten Meßgewand singt am Altar; in fremden Lauten, fremdfeierlichen Rhythmen; er schreitet singend heraus mit den heiligen Geräten und kehrt singend zurück; dunkle Männerstimmen antworten hinter dem Opfertisch, der Diakon liest. Eine alte, in Schwarz gehüllte Frau kniet auf dem Boden und küßt den Teppich; eine Mutter führt ihr buntgekleidetes Mädelchen herein; ein junges Mädchen sitzt in einem der Kirchenstühle: das ist für heute die Gemeinde, stark unter erhabenem Ritus, unter dem Schutzgebet der Heiligen, deren Bilder im Kerzenschein ruhn und von den Gewölbefeldern der Decke leuchten. Ich möchte, wenn es erlaubt ist, fortan Gast bleiben an der Tür. Es ist die Kirche der heiligen Barbara, anbefohlen dem heiligen Märtyrer Josaphat, dem griechisch-katholischen Erzbischof von Polozk (1580-1623), Blutzeugen der Union, dessen Gebeine während des ersten Weltkriegs in Rußland aufgefunden und hier geborgen wurden. Die Konviktskapelle der benachbarten Jesuiten wurde nach der Katastrophe des Ordens (1773) von Maria Theresia der griechisch-katholischen Geistlichkeit übergeben, großzügig ausgestattet und mit einem Konvikt verbunden, dessen Aufgabe die Ausbildung griechisch-katholischer Geistlicher war. Die Völkermutter überwachte mit dem politischen Geschick das geistliche der in der Vielfalt farbenreicher Traditionen ihr anvertrauten Völker. Marie Antoinette soll ein Christusbildchen für das kristallene Prozessionskreuz gestickt haben. Als, etwa zehn Jahre nach der Stiftung, ihre Aufhebung erwogen wurde, erschien Joseph II. (am 15. April 1784, zwölf Uhr mittags) im Konvikt; er prüfte, ließ sich unterrichten und beschloß, die einzige Kirche zu erhalten und zu unterstützen, die in der Kaiserstadt dem griechisch-katholischen Ritus diente. " (S. 10/11) Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 550