In Thomas Manns Prosa sind AuÃenseiterfiguren allgegenwärtig. Die Studie begreift sie als transgressive Figuren, die durch ihre auÃerordentlichen Körper und ihr grenzverletzendes Handeln Normalitätskonstruktionen und Herrschaftsstrukturen der (fiktiven) Welt offenlegen. Anhand der Erzählungen Der Wille zum Glück, Tristan und Wälsungenblut wird untersucht, mit welchen erzählerischen Mitteln Figuren als auÃerordentliche markiert, wie sie diskriminiert, welche Essentialismen dadurch entlarvt und wie Grenzverletzungen korrigiert und sanktioniert werden. Es liegt nahe, die misslingende Einordnung des AuÃenseiters in die bürgerliche Gesellschaft als obligatorische Begleiterscheinung des Künstlerdaseins zu interpretieren â und damit als literarisierte Verarbeitung von Manns eigener Lebenswirklichkeit. Statt einer biographistischen Herangehensweise verfolgt die Studie jedoch einen intersektionalen Ansatz, um zu analysieren, mithilfe welcher Ungleichheitskategorien (etwa Klasse, Geschlecht, Religion, Körper, Sexualität) Identitäten als nicht normgerecht inszeniert werden. Die Untersuchung zeigt, wie dank der auÃerordentlichen Figuren ein komplexes Geflecht von Machtverhältnissen sichtbar wird und wie tief intersektionale Phänomene in der literarischen Struktur verankert sind. Damit eröffnet die Arbeit nicht nur einen neuen Blick auf Manns AuÃenseiterfiguren, sondern unterstreicht auch die Relevanz intersektional-orientierter Analysen für die Literaturwissenschaft insgesamt.
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