Nürnberg, Johann Christoph Weigel o. J. (um 1720). 3 Bll. (gest. Titel, Vorrede, Vor-Bericht). Quer-4°. HLdr. d. Zt. (Halbledereinband der Zeit). - Slg. Lipperheide OS 1513 kl. - Schwemmer, W.: Nürnberger Kunst im 18. Jahrhundert, S. 19 (dort Datierung 1721). - Schmidt-Liebich, J.: Lex. d. Künstlerinnen. 1700-1900, S. 345. - Erste Ausgabe. - Es fehlen vier der Ornamentstiche (Tafeln 37-40), die hier nicht eingebunden wurden. - Das gest. Titelblatt im schönen Kolorit der Zeit. - Eines der ersten Näh- und Stickmusterbücher überhaupt. - "1688 in Erfurt geboren, kam Amalia, Tochter des Organisten und Komponisten Johann Pachelbel (1653-1706), um 1692 nach Nürnberg und verstarb hier 1723 neun Jahre nach der Heirat mit dem Notar Johann Gabriel Beer (1687 - 1725). Als Blumenmalerin in Wasserfarben, als Kupferstecherin, als Stickerin sowie in 'andern dem weiblichen Geschlecht wohl anstaendigen Beschaefftigungen' genoss sie hohes Ansehen. Sie brachte nach ihrer Heirat zusätzlich zu einer Folge von Blumensträußen als Vorlagensammlung auch ein Modelbuch im eigentlichen Sinn heraus. In das Vorwort zum 'Neh- und Stick-Buch' flocht der Verleger und Kunsthändler Johann Christoph Weigel (1661-1726) einen Hinweis auf ihren Geburtsnamen und die Person ihres Vaters wie ein Gütezeichen ein. Auf 50 zum Teil mehrfach gefalteten Klapptafeln bietet Amalia Beer Stickmusterrisse für diverse Luxusartikel von Halsbinden und -tüchern über Hauben, Bänder, Miederlätze, Beutel für Uhren oder Barbierzeug, Brieftaschen, Röcke, Pantoffel, Kinderschuhe und Strumpfzwickel bis hin zu Sesselbezügen. Prominent vertreten sind natürlich wiedergegebene Blumenstängel, -girlanden, -sträuße und -kränze zum 'Bilder-Stich', also zur Umsetzung in Nadelmalerei aus Flachstichen mit verschiedenfarbigen Seidenfäden, die in Anlehnung an Gemälde eine differenzierte Farbnuancierung erlaubt. Für einzelne Motive orientierte sich Amalia Beer an Maria Sibylla Merians 'Blumenbuch', das bereits in den 1670er Jahren in Nürnberg erschienen war" (zitiert aus einer Annotation der Stadtbibliothek Nürnberg, Buchpatenschaft Will. IV. 99.2°). - 4 übergroße gefalt. Tafeln bestehen aus 2 bis 3 zusammengesetzten Ornamentstichen (Nrn. 41/42, 43/44/45, 46/46 und 48/49/50). - Einband etwas berieben und bestoßen. Titelblatt gering fingerfleckig, mit kleinem Sammlungsstempel ("Herzogl. Bibliothek Coethen", "gelöscht", siehe dazu: Guth, Waltraut: Bibliotheksgeschichte des Landes Sachsen-Anhalt, S. 123f., in Schriften z. Bibliothks- u. Büchereiwesen in S.-A., Bd. 85). - Die Tafeln von sehr guter Erhaltung, wenige minimal fleckig. - Sehr selten. - *** 92 Jahre Antiquariat Arno Adler (1932-2024) ***