Die zentrale Einsicht dieses Buches ist, daà es sich bei der aktuellen Krise im Grunde um eine Krise des Verstehens handelt. Die besteht nicht allein in einem Mangel an wirklich maÃgebenden Gedanken, sondern - bei allem Wettlauf um Innovationen und allem Hochfrequenzhandel â auch in der Ausbreitung einer Art mentaler Sklerose: das heutige Weltverständnis richtet sich immer stärker in leblosen Modellen ein und läuft so Gefahr, seine Wirklichkeitskompetenz einzubüssen. Eine Kritik am Modelldenken aber kann sich nicht selber wiederum an Modelle halten. Wie entscheidend es dabei um das Verstehen unserer heutigen Welt geht, belegt die Tatsache, daà die Globalisierung sich nicht ohne das Modelldenken ausbreiten kann. Selbst wenn jeder die Dynamik der Globalisierung mehr oder weniger stark zu spüren bekommt, muà das nicht heiÃen, daà sie dabei auch schon angemessen verstanden würde, dringlicher scheint es, sich auf sie einzustellen. So gibt es ein unausgesprochenes und uneingelöstes Bedürfnis nach einer kritisch fundierten und d. h. auch modellfreien Auseinandersetzung über die Globalisierung und ihre Macht. Um aus dieser übergangenen Sprachlosigkeit herauszufinden, ist es nötig, das in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft vorherrschende Denken in seinen unbefragten Voraussetzungen und historischen Wurzeln zu ergründen. Gleichwohl verfolgt dieses Buch keinen rein akademischen Ansatz, der auf ein spezialisiertes Vorwissen baut; die Art zu denken und die Sicht und Wahrnehmung sind dennoch nicht die selben wie sonst im Alltag. Die leitende Frage dieser engagiert nüchternen Erörterung der Globalisierung war und ist: Was müssen wir von unserer Geschichte wissen, um durch sie soviel von unserer Gegenwart zu begreifen, daà sich freie Ausblicke für unsere Zukunft eröffnen?