Seit den 2015er-Jahren haben global zirkulierende Diskurse zunehmend Aufmerksamkeit auf die Rolle gesellschaftlicher Institutionen im Globalen Norden gelenkt – insbesondere im Hinblick auf ihre Mitwirkung an der Reproduktion kolonialer Kontinuitäten. Auch Hochschulen stehen hierbei im Zentrum der Kritik: Es wird zunehmend problematisiert, dass sie auch in postkolonialen Kontexten soziale, epistemische und ökonomische Ungleichheitsstrukturen perpetuieren und koloniale Logiken, darunter Eurozentrismus als Denkmuster, reproduzieren. Während im anglophonen Raum, vor allem in den USA, Großbritannien oder auch Südafrika bereits intensive Debatten und politische und curriculare Reformprozesse angestoßen wurden, ist ein vergleichbares Ausmaß an Auseinandersetzung mit dekolonialen Perspektiven im deutschen Hochschulkontext bislang weitestgehend ausgeblieben. Vor diesem Hintergrund sondiert diese Arbeit explorativ die strukturellen Voraussetzungen und Herausforderungen einer Dekolonisierung von Hochschulen in Deutschland. Ausgehend von zentralen theoretischen Positionen innerhalb der dekolonialen Theorie – insbesondere im Anschluss an Aníbal Quijano – und gestützt auf qualitative Interviews mit Expert:innen, zielt die Arbeit darauf ab, sich einem Übergang von der Theorie zu einer dekolonialen universitären Praxis im deutschsprachigen Raum anzunähern.
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